In drei Stunden ins Mittelalter: urgemütliche Städtchen im Harz.

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Der Harz ist meine Lieblingsentdeckung der letzten zwei Jahre. Er hat mir das erste Mal so richtig gezeigt, dass mich auch Deutschland überraschen kann. Und ich meine damit kein lasches „Oh, ist das schön!". Ich rede von einem Staunen, aus dem man nicht mehr herauskommt. Seitdem zieht es mich immer wieder dorthin. Für ein verlängertes Wochenende oder auch mal von Freitag- bis Sonntagabend. Mir reichen selbst zwei Tage in der Region, um mich verzaubern zu lassen. Und mit etwa drei bis vier Stunden Anfahrt – je nach eurem Ziel im Harz – ist das auch ohne größeren Stress machbar.


Unser erstes Ziel ist meistens die wunderschöne Fachwerkstadt Quedlinburg. Hier kann man sich noch genau vorstellen, wie einst die Kutschen durch die kleinen Gässchen fuhren und auf dem Kopfsteinpflaster lautes Geklapper hinterließen. Diese Stadt ist einfach wunderschön und zu Recht das größte flächendeckende UNESCO Weltkulturerbe Deutschlands. Ich fühle mich jedes Mal wie in einem interaktiven Museum, das einfach riesig ist. Jedes Haus ist eine wahre Pracht, jede Straße ein Weg in alte Zeiten und es gibt zudem auch verdammt leckere Lokale an jeder Ecke. Wir waren schon zu jeder Jahreszeit dort und es lohnt sich immer. Wenn es kalt ist, zieht man sich in die warmen Stuben der „Alten Brauerei Lüdde" zurück oder kehrt in dem schiefen Häuschen mit dem äußerst passenden Namen „Himmel und Hölle" ein. Im Sommer oder im Frühling genießen Touristen und Einheimische die lauen Nächte im Hof vom „Prinz Heinreich" oder gönnen sich zum Mittagssnack einen der köstlichen Leckereien unter den Schatten spendenden Bäumen der „Crêperie".

Und natürlich stehen die Sehenswürdigkeiten auch immer bereit. Klar, es zählt ja auch jedes Haus dazu. Ein großes Highlight unter den vielen kleinen ist der Marktplatz mit seinen Ranken und seinem prachtvollen Eingang und natürlich das Schloss inmitten der Altstadt. Auf einer leichten Anhöhe überblickt es stolz seine traumhafte Stadt. Und als wäre das nicht alles schon märchenhaft genug, findet man hier sogar einen sagenumwobenen Domschatz. Ein Besuch der heiligen Hallen lohnt sich auf jeden Fall. Vom gegenüberliegenden Münzberg erhascht man einen herrlichen Ausblick auf das Schloss und die gesamte Stadt. Und schön ist's dort auch noch.


Ihr merkt jetzt schon: Quedlinburg ist ein Ganzjahres-Highlight, in dem sich richtig viel Zeit verbringen lässt. Also lasst euch nicht hetzen und genießt die kleine Zeitreise – ganz weit weg von der großen Stadt. Wenn ihr abends noch ein paar Stunden übrig habt, solltet ihr euch eine nächtliche Führung nicht entgehen lassen. Ihr werdet in die kleinste Gasse Quedlinburgs geführt, entdeckt architektonische Unterschiede, taucht in die verwunschene Stadtgeschichte ein und am nächsten Tag seht ihr die Stadt noch einmal mit ganz anderen Augen. Versprochen! Und wenn ihr euch gänzlich darauf einlasst, könnt ihr die Quedlinburger Ritter auf ihren schnaubenden Pferden durch die Straßen galoppieren sehen. Immer nur bruchstückhaft, denn es ist ja dunkel in den Gassen, ganz klar.

Weil mir zwei Unterkünfte ganz besonders gut gefallen haben und sie das Stadtflair mit jeder Pore, jedem Möbelstück in sich aufgesogen haben, möchte ich sie euch an dieser Stelle empfehlen. Die Lateinschule hat mich förmlich umgehauen, hier hätte ich Monate verbringen können. Direkt in der Altstadt neben der „Crêperie" ist sie die hausgewordene Gemütlichkeit. In einem Fachwerkhaus mit schiefen Wänden, Holzbalken, wunderschönen Holzmöbel, geschmackvoller Einrichtung und absolut sauber. Aber seht selbst:

Die zweite Unterkunft liegt – auch wenn es kaum geht – noch zentraler. Direkt am Marktplatz und mit einer tollen Aussicht auf das bunte Treiben: das Hotel „Zum Bär". Rustikal, gemütlich, äußerst geräumig und mit einem leckeren Frühstück im Erdgeschoss. An Sonntagen stolpert man als Gast des Hauses direkt in den wunderschönen Wochenmarkt, der direkt vor der Tür beginnt. Stöbern lohnt sich!


Dass Quedlinburg meine absolute Lieblingsstadt ist, kann ich nach dieser kleinen Liebeserklärung wohl nicht mehr leugnen. Aber selbstverständlich gibt es im Harz auch noch andere sehenswerte Städte, die definitiv einen Besuch wert sind. Weiter geht's mit Wernigerode und seinem Traumschloss. Zugegeben: Dieses Schloss hat mich mehr beeindruckt als das Quedlinburger Schloss. Schon von Weitem sieht man es hoch oberhalb der Stadt thronen und wenn es beim Schlendern durch die Gassen immer wieder ganz weit hinten am Horizont auftaucht, dann fühlt es sich schon ein bisschen wie im Märchen an. Außerdem gibt es auch hier natürlich unendlich viele Fachwerkhäuser zu bestaunen und einen Marktplatz wie aus dem Bilderbuch. Der größte Vorteil von Wernigerode ist die perfekte Zuganbindung. Hier könnt ihr ganz bequem einsteigen und über Schierke bis hin zum Brocken fahren. Und das solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen. Eine Brockenfahrt im Winter und das Harz-Fieber hat einen gepackt.

Etwa eine Stunde Fahrt mit Auto entfernt von Wernigerode liegt Stolberg im Südharz – meine Neuentdeckung aus diesem Jahr. Eher durch Zufall hat es uns nach einer Deutschlandreise in dieses verschlafene Örtchen verschlagen. Es war fast schon unheimlich, wie wenig hier los war. Aber dadurch war der Aufenthalt pure Entspannung. Eine kleine Wanderung hoch zur Burg, ein bisschen durch die kleinen Gassen schlendern, ein kleiner Abstecher zum nächsten See und eine große Pause bei einem ausgiebigen Frühstück und einem kleinen Nachmittags-Umtrunk. Hier gibt es nicht viel zu sehen, aber garantiert viel zu genießen. Ich habe diesen ruhigen Ausklang unserer Reise sehr genossen und falls ihr auch ein bisschen Ruhe und heile Welt sucht, seid hier goldrichtig.

Drei Städte voller Fachwerkhäuser und doch so verschieden. In jeder von ihnen werdet ihr die Seele der Region wiederfinden und euch ganz sicher in ihre Schönheit verlieben. Der Harz ist natürlich nicht nur für seine Städte bekannt, sondern auch für seine Natur und seine traumhaften Wanderwege – doch das ist eine andere Geschichte.